Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Variationen der Erfahrung von Prana Kundalini

kundalini erfahrung energieAlle Beiträge zu „Kundalini“:

Wie bereits erwähnt, wird das Aufsteigen der Prana Kundalini von jenen Yogis erfahren, die nicht nur die spirituelle Freude der Befreiung ersehnen, sondern auch weltliche Freuden wünschen. Der energetische Aspekt der prāna kuṇḍalinī Erfahrung wird also mitbestimmt von dem besonderen Sehnen oder Verlangen des individuellen Yogi. Daher kann die Erfahrung der prāna kuṇḍalinī unterschiedliche „Formen“ annehmen. Im Shaiva Tantra werden folgende Variationen der Erfahrung von Prana Kundalini überliefert (nach Swami Lakshmanjoo):

mantravedha:

Wenn das Verlangen nach Befreiung des Yogi geprägt ist von seinem Wunsch nach direkter Wiedererkennung des Höchsten „Ich“ (Parama Shiva) durch das mantra „aham“ („Ich bin“), wird sein Atem erfüllt von Freude und ekstatischer Seligkeit.

Diese von Freude erfüllte Kraft des Atems durchbohrt dann zuerst das mūlādhāra cakra, wo der Yogi realisiert, dass er identisch ist sowohl mit der Existenz der Kundalini wie mit deren Aufsteigen. Weiter aufsteigend durchbohrt die prana kundalini dann zuerst das nabhi cakra (Nabel), dann das hrit cakra (Herz), dann das kaṇṭha cakra (Rachen) und schließlich das bhrūmadhya cakra (Zwischen den Augenbrauen).

Da diese Erfahrung ausgelöst und geprägt wird von dem Mantra „aham“, wird sie mantravedha genannt.

nādavedha:

Wenn der Yogi erfüllt ist von dem Wunsch, Anderen zu helfen und zu ihrem spirituellem Glück beizutragen, dann erfährt er das Aufsteigen der Prana Kundalini durch mūlādhāra cakra bis zu bhrūmadhya cakra gleichzeitig als den freudevollen Atem und als nāda, den Urklang.

Der Urklang ist hier sozusagen die Höchste Wirklichkeit, die der Yogi Anderen zeigen und erfahren lassen möchte. Da er von diesem Wunsch beseelt ist, erfährt er die Energie auch als solche, weshalb diese Erfahrung der kuṇḍalinī nādavedha genannt wird.

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binduvedha:

Wenn der Yogi geprägt ist von dem Wunsch nach Leichtigkeit, Freude, Entspanntheit und Glück, dann erfährt er das Aufsteigen der kuṇḍalinī durch die cakren als Samen. Er erlebt dann die aufsteigende Prana Kundalini als eine Fontäne von milchigem Samen, die mit großer Kraft vom mūlādhāra zum brahmarandhra empor schießt und den ganzen Körper durchströmt.

Diese Erfahrung der kuṇḍalinī kann so beglückend und erfüllend sein, dass der Yogi auf einen Schlag den Wunsch nach weltlichen Freuden verliert. Diese Erfahrung der Prana Kundalini wird binduvedha genannt.

śāktavedha:

Wenn der Yogi von dem Wunsch erfüllt ist, große Stärke zu entwickeln und diese Stärke zu erhalten, um unerschöpflich zu sein in der Vermittlung dieser Energie und Weisheit an Andere, dann steigt die Energie auf durch mūlādhāra, nabhi, hrit und bhrūmadhya in Form einer Ameise. Die segensreiche Fülle des Atems wird dabei in Kraft oder Macht verwandelt und der Yogi erlebt, dass diese Kraft entwickelt wird und dass er eine Verkörperung dieser Energie ist.

Dieses Erleben der Prana Kundalini fühlt sich an, als würde etwas langsam aber unaufhörlich errichtet, weshalb es mit der Ameise assoziiert ist. Wegen der direkten Umwandlung der Freude der Atmung in Macht wird diese Form der kuṇḍalinī-Erfahrung sāktavedha genannt.

bhujaṇgavedha:

Diese Erfahrung tritt ein, wenn der Yogi das Aufsteigen der kuṇḍalinī als sich aufrollende und hochstreckende Schlange, genauer als Kobra, erlebt. Er erfährt dann tatsächlich die Prana Kundalini als Schlangenkraft, wobei das Schwanzende der Kobra im mūlādhāra verbleibt und alle cakren durchbohrt bis hinauf und einschließlich brahmarandhra, dem Scheitel.

Daher wird diese Form des kuṇḍalinī-Aufsteigens bhujaṇgavedha genannt.

bhramaravedha:

Wenn der Yogi im Laufe seiner Praxis den Wunsch entwickelt, einige seiner Schüler auf geheime Weise einzuweihen (also ohne dass Andere es bemerken und wissen), dann steigt die freudevolle Energie des Atems durch die Cakren auf in Form des Summens oder Brummens einer schwarzen Biene. Das ist bhramaravedha.

Swami Lakshmanjoo betont die Tatsache, dasss man es sich nicht aussuchen kann, in welcher Form die kuṇḍalinī aufsteigt bzw dich durchbohrt, sondern dass die Art des Auftiegs und das Erleben der Prana Kundalini determiniert ist durch unsere tiefsten Sehnsüchte und unser stärkstes Verlangen.

piśācāveśaḥ – die negative Form der Kundalini Erfahrung

Schließlich gibt es noch eine Form der kuṇḍalinī-Erfahrung, bei der die Energie in umgekehrter Reihenfolge auftaucht: nachdem die Bewegung im mūlādhāra aufgehört hat, beginnt sich das cakra nicht zu drehen und der Atem strömt sozusagen an allen cakras vorbei bis zum bhrūmadhya, dem Zentrum wischen den Augenbrauen, das sich dann zu drehen beginnt. Dessen Drehkraft wiederum bringt das Halschakra zum Drehen, dieses wiederum das Herzzentrum, dieses wiederum das Nabelzentrum und dieses schließlich das Wurzelzentrum, mūlādhāra. Dann trittst du aus dem mūlādhāra wieder hinaus.

Dieser umgekehrte Prozess wird piśācāveśaḥ genannt, die „Trance der Geister“. Das ist ein sehr ungünstiger Verlauf, der dich in die falsche Richtung und letztlich zu nichts führt. Es heisst, dass dein Meister (Shiva/Rudra oder Shakti/Kali) diesen Prozess in dir auslöst, wenn er/sie unzufrieden oder verärgert über dich ist.

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