Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Tantra Übungen für Körper, Geist und Seele

Die im Tantra entwickelten Übungen sind natürlich nicht auf solche für die Geschlechtsteile von Mann und Frau beschränkt. Tatsächlich liegt eine große Kraft und Weisheit in unseren Geschlechtsorganen. Doch erschließen sich diese uns erst, sobald wir unser Herz und unseren Geist gereinigt und geöffnet haben und uns der sexuellen Energie nicht mehr mit unseren Ängsten, Anhaftungen und Vorstellungen in den Weg stellen. Um den vollen Nutzen aus den tantrischen Lehren zu ziehen, genügt es also nicht, dass wir unsere Sexualität befreien – wir sollten auch das Feld, in dem sich diese entfalten kann, bereiten.

Aus diesem Grunde lehrt Tantra einen umfassenden Zugang zu unserem Potenzial. Wir sollten alle wichtigen Aspekte unseres Lebens in die Praxis miteinbeziehen; alle Schichten, aus denen sich unser Selbst zusammensetzt, sollten durch gezielte Übungen gestärkt, geklärt und durchlässig gemacht werden. Nach den Lehren des Kashmir Shivaismus manifestiert sich unser Selbst in 5 Schichten (koshas) oder Hüllen: Körper, Geist, Lebensenergie, Leere und Bewusstsein.

Der Körper ist die letztendliche Manifestation des Bewusstseins. Der Körper wird vom Geist durchdrungen, dieser von der Lebensenergie, diese wiederum von der Leere (die Grundlage aller Form ist) und die Leere schließlich existiert auch nur innerhalb des Bewusstseins, das alle Schichten gleichermaßen durchdringt – wie das Licht der Sonne auf alle Dinge und Wesen scheint.

Tantrakurs Kaula ImmersionDiesen Grundgedanken eines allen durchdringenden, in Allem anwesend seiendem Bewusstseins zu verinnerlichen hilft, die verschiedenen Tantra Übungen für den Körper, die Seele und den Geist besser einordnen zu können. Verständnis (bauddha) schadet der Praxis nicht, sondern unterstützt die positive Wirkung der Erfahrung (paurusha). Denn es ist letztlich unser Bewusstsein, das unsere Sexualität bestimmt – und nicht der Lingam oder die Yoni. Es ist der Geist, der den Körper formt. Praktisch die gesamte asiatische Denkweise – auch ihre Medizin – geht davon aus, dass alle wirkliche Veränderung und Heilung vom Bewusstsein ausgeht. Tantra tut das auch, egal wie „westlich“ es geworden ist.

Aus diesem Grunde kann eine tantrische Praxis sich nicht erschöpfen in einem Training der Beckenbodenmuskulatur und der Ejakulationskontrolle. Diese sollten selbstverständliche Voraussetzungen sein, um überhaupt mit dem Körper, dem Gefühl und dem Geist experimentell und kreativ umzugehen, um zunehmend unseren Horinzont – nach innen wie außen – zu erweitern.

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