Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Hymne an Kali – Karpuradi-Stotra

Die Karpuradi-Stotra – die Hymne an Kali – entstand zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert, der Hochzeit des linkshändigen Kaula-Weges des Tantra, und wurde 1922 von Sir John Woodruffe (Arthur Avalon) ins Englische übertragen – und dann lange Zeit vergessen. Nun liegt sie erstmals in einer deutschen Übersetzung vor.

Karpuradi-Stotra - Die Hymne an Kali

Karpuradi-Stotra – Die Hymne an Kali

Karpuram ist Kampfer, das Räuchermittel der Kali, das nicht nur alle Motten und Mücken, sondern auch schlechte Einflüsse vertreibt. Es wurde/wird im Kult und in der Medizin angewandt. Doch karpuram, Kampfer, ist vor allem im Zusammenhang mit den linken Tantra-Kulten auch ein Code-Wort für die Vermischung von Menstrual-Blut (rakta) und vermengten weiblichen Sekreten und männlichen Samen (sukra), das geheime Tattva der Befreiung (siehe Das Yoni Tantra).

Die Hymne beschreibt die Essenz der Praxis des Kaula-Tantra, die – ich muss mich da wiederholen – so gar nichts mit den Spielereien des Neotantra zu tun hat.

Die Essenz ist wirklich von unfassbarer Einfachheit – und daher für viele so schwer zu fassen. Es ist, wie die Göttin in einem westlichen Tantra verrät (Hervorhebung von mir):

Doch es gibt Mittel und Mittel. Seid anmutig deshalb: traget alle feine Gewänder, esst kräftige Speisen und trinkt süße Weine und Weine, die schäumen! Auch erfüllt euch nach Willen in Liebe, wie es euch gefällt, wann, wo und mit wem immer ihr wollt. Aber immer zu mir.

Möge die Hymne des höchsten Shiva (Sri Mahesvara) an seine Gebieterin Kali dich inspirieren und ermutigen, den Pfad der Kaulas zu betreten – und ihn zu Ende zu gehen.

Frank Lerch

Karpuradi-Stotra – Hymne an Kali

Vers 1

Oh Mutter ( Sie, die alles umfasst und gibt)
Und Gemahlin des Zerstörers der drei Städte
Die, die dreimal deine Keimsilbe rezitieren,
aufsteigend aus den Dämpfen des Kampfer,
die mittleren und die letzten Konsonanten und die Laute erklingen lassen (Kr),
doch Vamaksi (i) und Bindu (ṁ) hinzufügen: (= Kring)
deren Rede – die in Prosa oder Poesie
jenen gleicht, die alle Kräfte erlangt haben –
fließt leicht und sicher aus den Höhlen ihrer Münder
und bezeugt ihre Gewissheit.
Oh Du, die schön ist wie die Schönheit einer dunklen Regenwolke .

Vers 2

Oh Mahesi, sollte jemand sogar von armen Geist
zu irgendeiner Zeit eine weitere doppelte Keimsilbe von Dir erklingen lassen,
zusammen gesetzt aus Isana (H) und Vamasravana (u)
und Bindu (ṁ), (= Hung)
Oh Du, die beschmückt ist mit großen und herrlichen Bogengeformten Ohrringen,
Du, die den zunehmenden Mond auf ihrem Haupt trägt,
dieser wird allmächtig, hat er doch den Herrn der Rede und den Schenker allen Reichtums überwältigt
und zahllose junge Frauen mit lotusgleichen Augen in seinen Bann gezogen.

Vers 3

Oh Kalika, oh glückverheissende Kalika mit zerzaustem Haar,
aus deren Mundwinkeln zwei Ströme von Blut tropfen:
jene, die eine weitere doppelte Keimsilbe von Dir rezitieren,
zusammengesetzt aus Isa (H), Vaisvanara (r), Vamanetra (i)
und dem schimmernden Bindu (ṁ) (=Hring),
diese zerstören alle ihre Feinde
und unterwerfen die drei Welten.

(…)

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