Philosophie und Praxis des indischen Tantra

5 Schichten des Selbst: prana – die Lebensenergie

Die nächste Schicht des Selbst ist jene des prana, das üblicherweise übersetzt wird mit „Lebensenergie“ oder „Lebenskraft“. Auf dieser Schicht ist unsere Individualität aufgehoben und transzendiert, denn wir teilen diese Schicht, diese Energie, mit allen lebenden Wesen. Die Bewegung des prana, die aufs engste verbunden ist mit dem Atem, ist entscheidend für Erhaltung des Lebens.
Prana fungiert als Bindeglied zwischen der physischen Welt und der mentalen Welt und ist der Schlüssel zur Verbindung von Geist und Körper. Gleichzeitig ist prana feiner und fundamentaler als diese und in einem gewissen Sinne ist prana jenes Mittel, durch welches der Geist sich über den ganzen Körper ausbreitet und Gestalt annimmt als so genannter feinstofflicher Körper.

Prana stellt eine feinere und essenziellere Schicht unseres Seins dar als die Geist-Herz-Substanz citta. Unsere Identifikation mit der Lebensernergie findet Ausdruck in solchen Bemerkungen wie „ich bin voller Energie“, „ich bin ausgelaugt“, „ich fühle mich lebendig“, „ich fühle mich müde“ et cetera. Die Stärke oder Schwäche des Prana, – das in Verbindung steht mit unserer Ernährung, der körperlichen Bewegung, dem Schlaf und unseren Gedankenmustern – ist ganz allgemein verantwortlich für unseren Energielevel und die meisten unserer Stimmungen.
Wenn wir uns ohne ersichtlichen Grund mißmutig oder verärgert oder verwirrt fühlen, dann ist das meist zurückzuführen auf den Energiezustand unseres prana und kann entsprechend beeinflusst werden durch die richtige Nahrung, Körperübungen, Schlaf und Entspannung.

Es mag uns vielleicht als natürlicher erscheinen, stärker mit der Schicht des Prana identifiziert zu sein als mit den äußeren Schichten des Körpers und des Geistes; eine Überidentifikation mit der Lebensenergie führt jedoch dazu, dass wir hilflos unseren Stimmungen ausgeliefert sind. Unsere Stimmungen zu ernst zu nehmen kann dann zu impulsiven Handlungen führen, deren Auswirkungen an Geist und am Körper wir später bereuen.

Die Lehren des Tantra und des Yoga kennen fünf verschiedene Grundarten des prana, der Lebensenergie. Diese Grundarten werden auch als „Winde“ (vayus) bezeichnet.

Die erste Form des Prana wird prana-vayu genannt, („der nach außen drängende Wind“). Dieser bewirkt die Ausatmung.
Apana-vayu („der nach innen dringende Wind“), ist verbunden mit der Einatmung, und herrscht bzw. reguliert alle abwärts gerichtete Bewegung im Körper, so etwa die Bewegung der Nahrung durch den Verdauungstrakt und die Ausscheidungsorgane.
Samana-vayu, („der ausgleichende Wind“), ist verbunden mit dem Feuer der Verdauung im Magen und der Verbindung von Ein-und Ausatmen in der Yoga Praxis des pranayama.
Udana-Vayu („der aufwärts steigende Wind“) steht in Verbindung mit Rülpsen, Erbrechen, Niesen, Sprechen und dem Aufsteigen der Kundalini durch Yogapraktiken.
Vyana-vayu („der alles durchdringende Wind“) ist verbunden mit der Bewegung der Glieder und der Verteilung von Nährstoffen im Körper.

Alle 5 pranas spielen also eine tragende Rolle bei der Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung einer gesunden und positiven Erfahrung als körperliche Wesen.

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