Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Die 5 Schichten des Selbst

kaula tantraDie Tantrische Sicht auf das Selbst ist vergleichbar mit einer matryoshka, der russischen Puppe: übereinander liegende Schichten, die vom groben Zustand zum feinen voranschreiten, vom Wesensfernen zum Wesensinneren, vom äußersten Rand zum inneren Zentrum.
Die tantrischen Lehren unterscheiden insgesamt 5 Schichten des Selbst:

  • den physischen Körper – deha
  • den energetischen / Herz-Geist Körper – citta
  • die Lebensenergie – prana
  • die transzendente Leere – sunya
  • Bewusstsein – cit

Wichtig ist zu verstehen, dass diese Schichten nicht strikt voneinander getrennt sind, sondern sich vom feinen zum gröberen hin durchdringen. Je feiner eine Schicht ist, desto mehr  kann sie andere Schichten durchdringen. Aus diesem Grund kann Bewusstsein, die feinste aller Schichten, alle anderen durchdringen.
Dies impliziert aber keine Hierarchie der Wertigkeit der einzelnen Schichten.  Der Körper ist deshalb auch nicht die niederste Schicht, sondern die einzige, in der alle anderen Schichten gleichzeitig erfahren werden können.
Gewöhnlich erfahren wir uns selbst in einer oder zwei der Schichten und identifizieren uns dann mit diesen. Genau diese Einschränkung der Erfahrung unser selbst auf einzelne Schichten verhindert die Erfahrung der Gesamtheit unseres Selbst. Diese Identifikation mit einzelnen Teilen statt mit dem Ganzen ist es, die „Leiden“ verursacht: ein stets als unvollständig und im Mangel befindliches Sein, das wir unser „Ich“ nennen.
Eine Analyse der einzelnen Schichten von außen nach innen, also vom Groben zum Feinen, offenbart die einzelnen Prozesse der unwillkürlich Identifikationen, mit denen wir unsere Selbsterfahrung limitieren.

 

Vastu – stofflicher Besitz

Ausserhalb dieser 5 Schichten des Selbst gibt es noch eine weitere Schicht – jene der stofflichen Welt – vastu – die uns umgibt, also die materiellen Dinge in unserem Umfeld. Die Identifikation mit stofflichen Dingen führt daher zu Aussagen über das eigene Selbst wie „ich bin reich“ oder „ich bin arm“.  Diese Gleichstellung von ökonmischen Status mit dem eigenen Ich ist die gröbste aller Identitäten, die wir entwickeln können. Sie äußert sich auch darin, dass wir uns gemeint fühlen, wenn unsere Dinge berührt werden. Und je wertvoller uns diese Dinge sind, desto stärker ist die Identifikation mit diesen. So kann es geschehen, dass jemand dein Auto beschädigt und Du dich persönlich verletzt fühlst. Oder jemand gibt ein von Dir geliehenes Buch nicht mehr zurück und Du fühlst Dich eines Teils deiner Selbst beraubt.
Da materielle Besitztümer und sozialer Status niemals absolut und garantiert sein können, sind sie unstabil – und damit auch die auf der Identifikation mit diesen gründende Erfahrung des eigenen Ich. Gleichzeitig lässt sich nicht vermeiden, dass wir materielle Güter anhäufen. Wir brauchen ein Heim, ein Dach über dem Kopf, Töpfe zum Kochen, Teller zum Essen, Kleidung zum Tragen etc… Und es ist möglich, sich an diesen Dingen zu erfreuen. Doch wenn der Kommentar eines Anderen über dein Haus, deine Kleidung, dein Auto etc. dein Selbstwert-Gefühl erhöht oder erniedrigt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass Du eine ungesunde Anhaftung entwickelt hast – und damit eine Abhängigkeit von diesen Dingen für die Erfahrung deines Selbst.

 

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