Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Kriyā-shakti – Die Kraft der Handlung

Alle vorgenannten Kräfte führen letztlich zu nichts ohne Kriyā-shakti, die Kraft der göttlichen Handlung. Nichts würde wirklich ins Dasein gelangen ohne Kriyā-shakti. Obwohl sie die niedrigste der Kräfte ist, ist Kriyā-shakti letztlich der Kulminationspunkt der Bewegung des Bewusstseins in die verschiedenen Formen seines Selbst-Ausdrucks.
Vom absoluten Standpunkt aus ist jede Aktivität letztlich eine Form von Kriyā-shakti. Doch von der eingeschränkten Perspektive des dualen Bewusstseins aus, in dem wir die meiste Zeit verbringen, ist es wichtig eine Unterscheidung zu machen zwischen Kriyā und Karma. Beide Worte meinen „Handlung, Tat“, doch karmische Handlungen binden die individuelle Seele und schränken ihre Freiheit ein, während Handlungen, die an Kriyā teilhaben, der Kraft der göttlichen Handlung, absolut frei und daher nicht Teil des normalen karmischen Wirkungs-Kreislaufs sind. Mit anderen Worten: Karma ist konditionierte und bedingte Handlung, während Kriyā eine spontan aufsteigende Handlung ist, die unser natürliches Sein zum Ausdruck bringt.

Alle Handlungen, die von Kriyā geprägt sind, werden um ihrer selbst willen vollzogen, sie sind selbstlos und verfolgen kein Ziel. Sie sind ein spontaner Ausdruck deines Seins, und binden dich nicht weiter ein in den karmischen Kreislauf von Ursache und Wirkung.
Jede spirituelle Praxis, sofern sie mit dem richtigen Geist vollzogen wird, ist ein Ausdruck von Kriyā-shakti. Deshalb ist die spirituelle Praxis auch am erfolgreichsten, wenn du sie um ihrer selbst willen vollziehst und genießt, sie erfährst als eine Zentrierung des Göttlichen in Dir – und weniger als ein Mittel zu einem persönlich motiverten Zweck.

Verweilen wir im unlimitierten Bewusstsein, so erfahren wir Glückseligkeit, die nach Ausdruck verlangt, wozu wir uns Wissen aneignen, welches wir in Handlung umsetzen. Das Verständnis jeder einzelnen dieser Kräfte hilft uns, die Natur unseres Seins als grenzenloses, sich der Freude wegen selbst eingrenzenden Bewusstseins zu erkennen und darin zu verweilen. Dann erkennen wir, dass in jedem Aspekt, in jedem Zustand des Bewusstseins und mit jeder Handlung wir Zugang finden können zu unserer wahren Natur und all ihrer innewohnnenden Kräfte. Wo immer wir sind, wie immer wir uns fühlen, was immer uns bewegt – stets sind wir nur einen Atemzug von der Freiheit und Freude totalen Bewusstseins entfernt.

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