Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Jñāna-Shakti – Die Kraft des Wissens

Damit Icchā-shakti erfolgreich in Handlung umgesetzt werden kann, muss sie verbunden werden mit Jñāna-shakti, der Kraft des Wissens. Um Nutzen zu ziehen aus der Kraft des Willens, muss diese kanalisiert werden in intelligible Strukturen, die mittels der Kraft des Wissens, Jñāna-shakti, entstanden sind. Das gilt auf universeller wie persönlicher Ebene gleichermaßen. Jñāna-shakti, die Kraft des Wissens, bewirkt, dass sich das Bewusstsein auf organische Weise strukturiert – und sich so manifestiert  in den manifesten Strukturen der Wirklichkeit. Ohne Jñāna-shakti gäbe es z.B. keine beständigen Gesetze der Physik, hätte das Universum keine wahrnehmbare Form, gäbe es keine Muster in den Interaktionen zwischen lebenden Wesen, keine Gesetzmäßigkeiten der Sprache, die uns Kommunikation ermöglichen.

Als Individuen (also mikrokosmische Reflektionen universellen Bewusstseins) müssen wir uns ausstatten mit dem notwendigen Wissen über das gewählte Feld unserer Aktivitäten, um die Kraft des Willens erfolgreich in diese lenken zu können. Egal, ob Du als Devisenhändler, als Musiker oder als Küchenchef aktiv sein möchtest – in jedem Falle muss Du dir zuerst das mit diesen Gebieten verbundene notwendige Wissen aneignen und dich damit vertraut machen. Erst dadurch erlangst Du ein tiefes Verständnis für die Gesetzmäßigkeiten dieser Felder und lernst, in welchen Bahnen die Energie dort fließt.
Das etwas grimmige Sprichwort „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, auch wenn wir es nicht gerne hören mögen, vermittelt diese Wahrheit: wir müssen uns erst der Disziplin ergeben, eine Sache von Grund auf zu erlernen, bevor wir spielerisch mit ihren einzelnen Elementen umgehen können. Ein Jazzmusiker muss Tonleitern und Kadenzen erlernen bis sie ihm in Fleisch und Blut übergegangen sind, bevor er sie kreativ variieren und einnehmende, verzaubernde Klänge erzeugen kann. Ein Tänzer muss seine Bewegungen üben, ein Mathematiker seine Gleichungen, ein Koch seine Rezepturen etc… Bevor wir in der Lage sind, beständig Freiheit und Freude durch unsere Aktivitäten auszudrücken, müssen wir deren Gesetze, Grenzen und Möglichkeiten erlernt und durchdrungen haben, sonst wird unsere schöpferische Energie nicht genügend gerichtet, um irgendetwas zu erreichen.

Das gleiche gilt auch für den spirituellen Weg. Ganz gleich wie viel Leidenschaft du aufbringst, einen spirituellen Pfad wie den tantrischen zu gehen: damit dir diese Leidenschaft auch dienlich ist, musst du dich ausrüsten mit allem verfügbaren Wissen über diesen Pfad. Insbesondere musst du zehren von der Weisheit der Meister, die selbst diesen Weg gegangen sind und seine vielen Hürden gemeistert haben.

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