Philosophie und Praxis des indischen Tantra

Icchā-Shakti – Die Kraft des Willens

Die dritte der Kräfte ist Icchā-shakti, die Kraft des Willens. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Icchā ist „begehren“; doch man kann nur etwas begehren, von dem man bereits Kenntnis besitzt, und im Kontext des nondualen Saiva Tantra ist icchā definiert als ein vorbewusster, schöpferischer Drang nach Selbst-Ausdruck. Es ist der Impuls hinter jeder Manifestation des Universums und hinter jeder Handlung, der sich selbst Zweck genug ist. Die Kraft des Willens ist in den ersten zwei Kräften enthalten, und sie taucht genau dann auf, wenn das Bewusstsein in glückseliger Selbst-Bewusstheit verweilt, so dass der dynamische Impuls nach Ausdruck ganz eigenständig auftaucht.

Verweilst Du im unlimitierten Bewusstsein, dann enthüllt sich die glückselige Natur des Seins als Ānanda, Glückseligkeit. Verweilst Du in Ānanda, dann taucht unweigerlich ein Impuls auf, dieser Erfahrung in Form einer Bewegung Ausdruck zu geben. Diese erste Bewegung, dieser erste Impuls ist Icchā-shakti, der Wille Gottes.
Diese Bewegung des Willens, der Drang nach Expression, entsteht aus keinem anderen Grund als dem der Freude, die nach Ausdruck verlangt. Icchā ist also eine ganz natürliche Entfaltung, die sich notwendig ergibt, wenn wir in Selbst-Bewusstheit verweilen und unsere innere Natur unbegrenzter Freude, Ānanda, erfahren. Sie ist kein Produkt unseres Denkens oder bewussten Wollens, sondern ein präkognitiver Impuls, den wir nur erfahren, wenn wir im vollen Bewusstsein verweilen, also über jede Limitierung hinaus gegangen sind. Aus diesem Grunde berührt uns große Kunst auch so sehr und unmittelbar: sie gewinnt ihre Inspiration aus der Quelle unserer wirklichen Natur und erinnert uns an unser eigenes Potenzial, unsere eigene Schöpfungskraft und erhebt uns für einen Moment hin zu einer Erfahrung unlimitierter Bewusstheit.

Je mehr wir lernen, in vollem Bewusstsein zu verweilen, desto mehr haben wir direkten Zugang zu unserer wirklichen eingeborenen Natur, – und desto mehr nehmen wir Teil an der unfehlbaren Kraft von Icchā-shakti. Aus diesem Grunde müssen wir auch lernen, dieser göttlichen Kraft des Willens Ausdruck in unserem Leben zu verleihen. Wir können diese Kraft nicht aufhalten – wir müssen einen Weg finden, sie zu kanalisieren und zu manifestieren. Idealerweise gelingt uns dies in allen Aktivitäten unseres Lebens und in unserem Beruf. Wenn uns dies nicht gelingt, müssen wir unsere Lebensweise und Aktivitäten ändern – sonst zehrt uns diese Energie von innen auf und lässt nur eine vertrocknete Hülle zurück.

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